Hilfe für Bettler

Sektorales Bettelverbot ist KEINE Lösung!

Der bisherige Vöcklabrucker Weg bedeutet, die auftretenden Probleme differenziert wahrnehmen und entsprechende Lösungen zu suchen, u.a.

  • freiwillige, zahlenmäßige und örtliche Beschränkung der legalen bekannten Bettler
  • Regulierung der Straßenmusikanten
  • erhöhte Polizeipräsenz
  • Informationen an Bevölkerung und Kaufmannschaft
  • Vorgehen gegen aggressives Betteln (gemäß OÖ Polizeistrafgesetz 2014)

Im Wesentlichen gibt es mit diesem Weg gute Erfahrungen. Vereinzelt wurde letzten Herbst die Zahl 5 überschritten, spätestens seit 2017 aber wieder strikt eingehalten. Unter den Kaufleuten wie auch der Bevölkerung gibt es unterschiedlichste Meinungen zu diesem Thema. Viele Menschen begrüßen aber diesen eingeschlagenen Weg.
Argumente gegen das sektorale Bettelverbot hier zum Download: ArgumentegegensektoralesBettelverbot

Betteln als Ausweg

Seit Jahren kommen auch zu uns in den Bezirk Armutsmigranten um zu betteln. Eine Gruppe von ihnen kommt aus der Südostslowakei, wo die soziale Lage sehr schwierig ist. In vielen Dörfern herrscht eine fast 100%tige Arbeitslosigkeit. Aber auch unter Slowaken und Ungarn liegt die Arbeitslosigkeit bei über 30%. Die Roma haben also so gut wie keine Chance auf einen Job. Sie bekommen vom Staat zwar eine geringe Sozialleistung, welche jedoch zu wenig zum Leben ist. So bleibt vielen oft als einziger Ausweg in den Westen zu fahren, um hier mit der „Arbeit des Bettelns“ den Lebensunterhalt für sich und ihre Angehörigen aufzubessern.

Während ihres Aufenthaltes bei uns waren sie dann obdachlos und mussten entweder im Auto, unter Brücken oder im Freien schlafen. Da wurden sie auch immer wieder von der Polizei vertrieben. Auf Initiative des Arbeitskreises „Bettler“ (Armutsnetzwerk Vöcklabruck und Mauthausenkomitee) wurde deshalb ein geeignetes Notquartier gesucht.

Herberge
Dank der Redemptoristen und engagierter Personen gibt es nun seit 9. November 2015 eine Herberge genau für diese Menschen im Schutz der Klostermauern von Puchheim. Bis zu max. 10 Personen können hier nächtigen, sich verpflegen und auch duschen. Betreut wird die Herberge u.a. von einer Gruppe Ehrenamtlicher (Pfarrcaritas) aus der Pfarre Puchheim.

Für die Abdeckung der Unkosten für die Sanierung dieser Herberge (Anschluss ans Kanalnetz, Einbau eines kompletten Sanitärteils mit Dusche und WC, Einbau einer Kochgelegenheit sowie Errichtung von 10 Schlafplätzen usw.) sind wir um jede Spende dankbar:

Spendenkonto
Verein Sozialzentrum, IBAN AT36 1860 0000 1609 5879, Ihre Spende ist steuerlich absetzbar!

Kontakt, Infos
Wer Interesse an näheren Informationen über die Herberge, die Situation der Roma, Mitarbeit in der Unterstützung usw. hat, kann sich gerne melden bei: Bert Hurch-Idl, Treffpunkt mensch&arbeit Vöcklabruck, 0676/87763666 oder mensch-arbeit.voecklabruck@dioezese-linz.at

 

Besuch in der Heimat der „Bettler von Vöcklabruck“

Arbeitslosigkeit, desolate Häuser, verseuchtes Trinkwasser. Das sind einige der Lebensbedingungen der Roma in der Ost-Slowakei. Da die staatliche Sozialhilfe nicht zum Leben reicht, gibt es immer mehr Roma, die nach Deutschland, Italien oder Österreich betteln kommen. Auch in Vöcklabruck suchen rund 15 Männer aus dem Landkreis Rimavská Sobota als Bettler, Pantomimen und Musiker Unterstützung. Eine Gruppe des Armutsnetzwerkes besuchte im Mai 2015 und im März 2017 die Heimat der „Bettler von Vöcklabruck“, um sich über deren Lebenssituation zu informieren.
Hier der Berichte der Reise zum Herunterladen:

2017: Reportage-Roma-Slowakei

2015:Reportage-Roma-in-RimavskaSobota

 

Umgang mit bettelnden Menschen

In Vöcklabruck wie in vielen anderen Städten sind bettelnde Menschen auf Straßen und öffentlichen Plätzen zu sehen. Für viele Menschen ist es irritierend so unmittelbar damit konfrontiert zu werden. Hans Übleis vom Armutsnetzwerk gibt Tipps zum Umgang mit bettelnden Menschen.

Betteln ist ein Ausdruck von Armut. Es sind Menschen die aufgrund ihrer elenden Lebensverhältnisse in der Heimat zu uns kommen. Der Versuch mit Gesetzesverschärfung diese Problematik zu „lösen“ greift zu kurz. Denn: Armut lässt sich mit Verboten nicht beseitigen. Vom Verfassungsgerichtshof wurde dazu festgehalten, dass Betteln ein Akt der freien Meinungsäußerung ist. Wie immer Behörden und Sicherheitskräfte aufgrund der gesetzlichen Grundlagen agieren, wir werden weiterhin mit bettelnden Menschen konfrontiert sein. Wie also persönlich mit bettelnden Menschen umgehen? Einige Anregungen mit der Bitte um wohlwollende Prüfung:

Den Menschen, nicht den Bettler sehen!

Sehen Sie im Anderen den Menschen. Schenken Sie dieser Person einen freundlichen Gruß, ihre Aufmerksamkeit oder eine von ihnen festgelegte Zeit. Versuchen Sie diffuse Ängste, aber auch überbordendes Mitgefühl in den Hintergrund zu rücken.
Sie persönlich entscheiden ob sie helfen oder nicht. Je klarer ihre eigene Haltung ist, desto unmissverständlicher kommunizieren sie.
Wenn Sie sich belästigt fühlen:  Sie können ihre Ablehnung deutlich zeigen indem sie „Nein“ sagen und nichts geben. Sie können keinen Kontakt aufnehmen oder einen angefangenen Gesprächskontakt auch abbrechen. Sie können ohne aggressiv zu werden Nein sagen.

Regeln für persönliches Spendenverhalten

Wenn sie helfen wollen: Helfen ist immer Begegnung. Fühlen sie sich in den anderen hinein und bewahren sie gleichzeitig eine professionelle Distanz. Wie, in welcher Form und Höhe (z. B. Geldbetrag) Sie helfen, ist ihrem freien Ermessen überlassen. Eine gute Möglichkeit ist auch Tipps und Informationen weiterzugeben, wo weitere Hilfe erhältlich ist. (z.B. Mittagstisch im „Elisabeth-Stüberl“). Machen sie sich Regeln für persönliches Spendenverhalten:  (z. B. wöchentlicher Höchstbetrag; Festlegung auf eine gewisse Anzahl von Bettelnden oder auf eine bestimmte Gruppe Hilfesuchender) Damit ersparen Sie sich bei Begegnungen mit bettelnden Menschen eine „Einzelfallprüfung“ und ein schlechtes Gewissen.
Wenn Sie im Netzwerk gegen Armut und Ausgrenzung mitmachen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: Armutsnetzwerk Vöcklabruck, c/o Verein Sozialzentrum, Tel. 07672/75145, verein@sozialzentrum.org