Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche

Seit 01.01.2006 hat jede/jeder Betroffene sexueller und körperlicher Gewalt nach § 66 StPO das Recht auf psychosoziale und juristische Prozessbegleitung. In allen Bundesländern bieten neben anderen Beratungsstellen und Vereinen auch Kinderschutzzentren diese Dienstleistung im Auftrag des Justizministeriums an.

Das Prozedere der Strafverfolgung stellt eine extreme Belastung für Opfer und deren Bezugspersonen dar. Daher stehen bei Prozessbegleitung die Stabilisierung der Gesamtsituation und die Vermeidung einer weiteren Traumatisierung der Kinder und Jugendlichen durch den Strafprozess im Vordergrund.

Anspruch auf Prozessbegleitung bei Impuls haben Kinder und Jugendliche,

  • die durch eine vorsätzlich begangene Straftat Gewalt erfahren haben (z. B. Opfer von Körperverletzung, Stalking oder Beraubung)
  • die gefährlich bedroht worden sind (z. B. mit dem Umbringen),
  • die in Ihrer sexuellen Integrität beeinträchtigt worden sind (z. B. Opfer von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch).

Auch Kinder und Jugendliche, die durch eine Straftat einen Angehörigen verloren haben (z. B. durch Mord oder einen tödlichen Verkehrsunfall), können unter Umständen Anspruch auf Prozessbegleitung haben.

Der Anspruch steht dann zu, wenn die Prozessbegleitung zur Wahrung der prozessualen Rechte der Opfer erforderlich ist. Dabei wird Rücksicht auf die persönliche Betroffenheit der Opfer genommen.

Psychosoziale Prozessbegleitung

Betroffene Opfer sollen sich im Strafverfahren so sicher wie möglich fühlen und bei der Bewältigung emotionaler Belastungen unterstützt werden – vor allem durch:

  • Information und Beratung über die Abläufe bei Polizei und Gericht von der Anzeige bis zum Ende des Verfahrens.
  • Persönliche Begleitung zu Terminen bei Polizei und Gericht.
  • Unterstützung vor, während und nach dem Verfahren.
  • Unterstützung bei der Durchsetzung der Opferrechte.

Abgesonderten (kontradiktorischen) Einvernahme

Häufig haben Opfer z. B. Angst davor, in Anwesenheit des Angeklagten aussagen zu müssen. In diesen Fällen unterstützt die Prozessbegleitung Opfer, soweit es der rechtliche Rahmen ermöglicht, bei der Beantragung einer abgesonderten (kontradiktorischen) Einvernahme im Strafverfahren.

Juristische Prozessbegleitung

Beratung und Vertretung während des gesamten Verfahrens durch eine Rechtsanwältin/einen Rechtsanwalt. Ziel ist es die Rechte von Opfern im Verfahren zu wahren und zB. Opfer bei der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen zu vertreten.

Entschädigungsleistungen

Opfer von Straftaten können entsprechend dem Verbrechensopfergesetz Anspruch auf Entschädigung haben, zB. für

  • den Ersatz von beschädigten Hilfsmitteln (zB. Brillen),
  • die Kosten einer Psychotherapie,
  • den Ersatz des Verdienstentganges,
  • den Ersatz von Bestattungskosten,
  • erlittene Schmerzen (Pauschalentschädigung).

Weitere Infos auf der Website der Fachstelle für Prozessbegleitung: http://www.pb-fachstelle.at