Ferienlernkurs: Gemeinsam lernen, Integration erleben und Selbstvertrauen stärken
Rund 20 Volksschulkinder nahmen heuer am Ferienlernkurs des „mosaik“ im Kleinstadtbiotop Vöcklabruck teil. Vom 17. bis 28. August wurde jeden Vormittag spielerisch gelernt, gelesen, geschrieben und gesprochen. Das besondere Konzept verbindet gezielte Lernförderung mit Begegnung, Integration und gemeinsamen Freizeitaktivitäten.
Der Ferienlernkurs richtete sich insbesondere an Volksschulkinder mit nicht deutscher Muttersprache und berücksichtigte die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder. Während Schulanfänger erste Schritte in der Alphabetisierung machten, arbeiteten andere Kinder an ihrer Sprach- und Schriftentwicklung oder festigten Inhalte aus dem vergangenen Schuljahr. Ziel war es, den Kindern einen möglichst guten und erleichterten Start ins neue Schuljahr zu ermöglichen.
Begleitet wurden die Kinder von den Pädagoginnen Elisa Schrattenecker, Rusel Mohammad und der Sozialbetreuerin Mahboubeh Bazrafshan. Mit abwechslungsreichen und spielerischen Methoden wurde dafür gesorgt, dass Lernen auch in den Ferien Freude macht. Arbeitsblätter, Wortspiele, gemeinsames Lesen, Rätsel und verschiedene kreative Aufgaben standen ebenso auf dem Programm wie ausreichend Freiraum für selbstständiges Arbeiten.
Rusel Mohamad betont die Bedeutung der individuellen Begleitung: „Während der zweiwöchigen Ferienbetreuung konnten die Kinder ihre Sprachkenntnisse durch Arbeitsblätter, Wortspiele oder Lesen verbessern. „Besonders wichtig war für mich zu beobachten, wie unterschiedlich die Kinder in ihrer Art zu lernen sind. Einige benötigen manchmal Einzelbetreuung, andere lösen Aufgaben gerne in Gruppen oder alleine.“
Dabei ging es nicht ausschließlich um die Vermittlung von Lerninhalten. Die Kinder sollten auch lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. „Für mich war es wichtig, den Kindern genügend Freiraum zu geben, damit sie selbstständig eigene Entscheidungen treffen konnten. Eine wertschätzende und geduldige Haltung ist für mich die Grundlage für die Arbeit mit Kindern“, betont Rusel Mohamad.
„Soferl“ bringt Kinder zusammen
Eine besondere integrative Komponente erhielt das Projekt in der zweiten Woche durch die Kooperation mit dem „Soferl“, einem Ferienangebot des Kleinstadtbiotops Vöcklabruck. Kinder mit deutscher Erstsprache verbrachten gemeinsam mit den Kindern des Ferienlernkurses Lern- und Freizeit. Dabei entstand ein unkomplizierter Austausch, von dem beide Seiten profitierten.
Die Kinder unterstützten sich beispielsweise beim Erlernen von Buchstaben, beim Lesen oder beim Lösen von Rätseln. „Durch das Projekt ‚Soferl‘ konnten Kinder mit deutscher Erstsprache die Kinder des Ferienlernkurses beim Lernen unterstützen. Die Kinder konnten voneinander lernen, sich gegenseitig helfen und gemeinsam Fortschritte machen. Dieses gemeinsame Lernen war eine tolle Bereicherung für alle. So wurde das Lernen zu einem wertvollen Miteinander“, erzählt Mahboubeh Bazrafshan
Besonders eindrucksvoll war auch der selbstverständliche Umgang mit der sprachlichen Vielfalt innerhalb der Gruppe. „Ich fand es sehr schön zu sehen, wie Kinder mit unterschiedlichen Muttersprachen und kulturellen Hintergründen miteinander umgehen. Die meisten haben untereinander Deutsch gesprochen. Wenn ein Kind etwas nicht verstanden hat, haben andere Kinder manchmal in ihrer gemeinsamen Muttersprache geholfen. Das fand ich sehr positiv, weil sie sich gegenseitig unterstützt haben“, berichtet Elisa Schrattenecker.
Lernen endet nicht mit dem Vormittag
Auch das Nachmittagsprogramm wurde gemeinsam gestaltet. Nach einem gemeinsamen Mittagessen sorgten Eltern und eine Pädagogin für abwechslungsreiche Aktivitäten. Die Kinder studierten eine Tanzperformance ein, besuchten das Freibad und lernten bei einem Besuch im Radionest des Freien Radio Salzkammergut im OKH Vöcklabruck neue Möglichkeiten kreativen Ausdrucks kennen.
Der Ferienlernkurs zeigt damit, wie Lernförderung und Integration miteinander verbunden werden können. Neben der Verbesserung der sprachlichen und schulischen Kompetenzen standen soziale Erfahrungen, gegenseitige Unterstützung und das Kennenlernen unterschiedlicher Lebenswelten im Mittelpunkt.
„Das Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, dass Integration dort besonders gut funktioniert, wo Kinder einfach gemeinsam etwas erleben und voneinander lernen können“, lautet das positive Resümee der Pädagoginnen.
Kooperation und Inklusion
Die im Kleinstadtbiotop gelebte Kooperation zeigte sich auch bei diesem Projekt. Die Jause der Kinder wurde von der Lebenshilfe zubereitet. Das Mittagessen kam von den Restaurants „De Michele“ und „Heli’s“. Der Ferienlernkurs war damit nicht nur eine wertvolle Vorbereitung auf das neue Schuljahr, sondern vor allem ein Ort des gemeinsamen Lernens, der Begegnung und des gelebten Miteinanders. Zum Abschluss gab es für alle Kinder noch ein Bioeis, gespendet von Reiseckers Eismanufaktur.